Ist Telegram russisch? Die Wahrheit über Ihre Nachrichten.
Von Konrad Weiss · Subproject Zero
Hören Sie auf, blind zu vertrauen. Ihre Nachrichten auf Telegram sind nicht so sicher, wie Sie glauben. Die App sammelt und gibt Daten weiter. Sie muss es tun.
Die Annahme, Telegram sei eine rein russische Bedrohung, greift zu kurz. Die Gefahr ist globaler. Sie betrifft jeden Nutzer, egal wo er sitzt. Es geht um die Daten, die Sie senden. Und darum, wer sie bekommt.
Ist Telegram russisch?
Ja, Telegram wurde von Pavel Durov gegründet. Der Sitz der Firma wechselte mehrfach. Aktuell operiert sie oft aus Dubai. Doch die Wurzeln und die ursprüngliche Entwicklungsbasis sind russisch. Das war lange Zeit ein Grund zur Vorsicht. Heute ist es ein Detail neben anderen.
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, woher die App kommt. Sie lautet: Was passiert mit Ihren Daten, nachdem Sie sie gesendet haben? Und an wen gehen sie?
Wie Telegram Daten preisgibt
Bis September 2024 gab Telegram nur in Fällen von Terrorismus Nutzerdaten an Behörden weiter. Die Anzahl dieser Anfragen war gering. Die Offenlegung beschränkte sich auf IP-Adressen und Telefonnummern. Nicht die Nachrichten. Nicht die Inhalte.
Doch im September 2024 änderte sich die Politik. Nach der Verhaftung Durovs in Frankreich passt sich Telegram den neuen Realitäten an. Die App teilt nun auf Basis eines gültigen richterlichen Beschlusses IP-Adressen und Telefonnummern mit den Behörden. Dies betrifft jeden Nutzer, der verdächtigt wird, gegen die Nutzungsbedingungen zu verstoßen. Die Zahl der erfüllten Anfragen stieg nach dieser Änderung sprunghaft an. Die Daten fließen.
Das Missverständnis der Verschlüsselung
Viele Nutzer glauben, Telegram verschlüsselt alles Ende-zu-Ende. Das stimmt so nicht. Nur die sogenannten 'Geheimen Chats' sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das bedeutet: Nur Sender und Empfänger können die Nachricht lesen. Nicht einmal Telegram selbst.
Die normalen Cloud-Chats hingegen sind nur client-server-verschlüsselt. Telegram speichert diese Chats auf seinen Servern. Und zwar verschlüsselt. Aber Telegram besitzt den Schlüssel. Das ist der Unterschied. Es erlaubt dem Unternehmen, auf Anweisung der Behörden die Daten weiterzugeben.
Der Unterschied ist wichtig. Ein Fenster kann man öffnen. Eine Wand nicht. Telegram hat einen Schlüssel. Das macht den Unterschied.
Was das für Sie bedeutet
Sie senden eine Nachricht. Sie verschwindet vom Bildschirm. Aber nicht aus den Archiven. Nicht, wenn sie bei Telegram liegt. Nicht, wenn die Behörden nachfragen.
Der automatische Löschmechanismus bei Telegram betrifft nur die Anzeige. Die Daten können weiterhin gespeichert werden. Besonders auf den Servern, wenn es keine Geheimen Chats sind. Und dann weitergegeben werden.
Die Archive Ihrer Gespräche
Ihr Telefon speichert das meiste. Aber Telegram verwaltet die Serverkopien. Und gibt diese auf Anforderung preis. Das gilt für die IP-Adresse und die Telefonnummer. Nicht die Nachrichteninhalte im normalen Chat. Aber die Metadaten sind oft genauso wertvoll.
Stellen Sie sich vor, Sie schreiben ein wichtiges Dokument. Sie legen es dem Postboten hin. Er verspricht, es nicht zu lesen. Aber er behält eine Kopie. Und gibt sie der Polizei, wenn die fragt. Genau das macht Telegram.
Was Sie jetzt tun können
Nutzen Sie nur Geheime Chats: Für sensible Gespräche. Aktivieren Sie 'Geheimer Chat' bei jedem neuen Gespräch. Prüfen Sie die Gerätebindung. Sie sind nur auf diesem Gerät gültig.
Vermeiden Sie Telegram für sensible Daten: Wenn eine Nachricht vertraulich ist, ist Telegram nicht die richtige Wahl. Die Serverkopie bleibt. Die Weitergabe ist möglich.
Prüfen Sie Alternativen: Es gibt Messenger, die Ihre Daten nicht behalten. Die wirklich Ende-zu-Ende verschlüsseln. Ohne Hintertür.
Was Sie sich merken sollten
- Telegram ist nicht mehr nur eine russische App, die Daten sammelt.
- Normale Chats sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt.
- Ihre IP-Adresse und Telefonnummer können an Behörden gehen.
- Nutzen Sie Geheime Chats oder andere Apps für Vertrauliches.
Die Plattform ist nicht für das gebaut, wofür Sie sie nutzen wollen. Sie ist gebaut, um Daten zu sammeln und zu speichern. Ihre Daten.
Der wahre Preis der Nutzung liegt nicht im Abo. Er liegt in der Akzeptanz, dass Ihre digitalen Spuren Teil eines globalen Datensammelns sind. Die Frage ist nur: Wer sammelt sie und was tun sie damit?