Telegram: Blogs und längere Beiträge – was jetzt neu ist
Von Konrad Weiss · Subproject Zero
Telegram war bisher der Ort für kurze Nachrichten. Seit dem Update vom 14. Juli 2026 lassen sich dort auch Blogs, Artikel und lange Beiträge schreiben – mit einem Editor, der eher an eine Textverarbeitung erinnert als an einen Messenger.
Was ist neu?
Der neue Rich-Text-Editor erlaubt bis zu 32.768 Zeichen in einer einzigen Nachricht. Dazu kommen Überschriften, Listen, Tabellen, Zitate, Codeblöcke sowie Fotos und Videos direkt im Text. Eingebaute KI-Werkzeuge können Text, Formeln oder Tabellen erzeugen. Der Editor läuft auf dem Smartphone und am Desktop.
Der Haken: Die Funktion ist Telegram Premium vorbehalten, dem kostenpflichtigen Abo. Wer die normale Version nutzt, kann solche Beiträge lesen, aber nicht selbst verfassen.
Im selben Update kamen „Communities" hinzu, in denen sich Gruppen, Kanäle und Bots rund um ein Thema verbinden lassen, außerdem Bot-Nachrichten in Gruppen, die nur eine einzelne Person sieht.
Was das für die Privatsphäre bedeutet
Ein langer Beitrag in einem Kanal ist öffentlich – das ist sein Zweck, und daran ist nichts auszusetzen. Heikler ist etwas, das mit dem Editor gar nichts zu tun hat, das aber viele annehmen: dass Telegram grundsätzlich Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Das stimmt nicht. Normale Telegram-Chats liegen zwar verschlüsselt auf den Servern von Telegram, aber mit Schlüsseln, die Telegram selbst besitzt. Ende-zu-Ende geschützt sind nur die „geheimen Chats" – und die gibt es nur zwischen zwei Personen und nur auf dem Gerät, auf dem sie gestartet wurden.
Dazu kommt eine Änderung, die oft untergeht: Seit September 2024 gibt Telegram bei einem gültigen richterlichen Beschluss die IP-Adresse und die Telefonnummer eines Nutzers an Behörden heraus. Vorher geschah das nur in Terrorismusfällen. Den Inhalt von Nachrichten betrifft diese Regel nicht – aber der Satz „Telegram gibt nie Daten heraus" stimmt seitdem nicht mehr.
Was Sie tun können
1. Private Gespräche im geheimen Chat führen. Öffnen Sie das Profil des Kontakts, tippen Sie oben rechts auf das Menü und starten Sie dort einen geheimen Chat. Nur dieser ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
2. Den Selbstzerstörungs-Timer setzen. Im geheimen Chat lässt sich festlegen, wie lange Nachrichten sichtbar bleiben – von wenigen Sekunden bis zu einer Woche. Gegen ein Foto des Bildschirms mit einem zweiten Handy hilft das nicht; das kann keine App verhindern.
3. Kanäle wie eine Veröffentlichung behandeln. Was dort steht, kann jeder weiterleiten und abfotografieren. Schreiben Sie in einen Kanal nur, was Sie auch unter Ihrem Namen in einer Zeitung lesen könnten.
4. Die Rufnummer verbergen. Unter Einstellungen > Privatsphäre und Sicherheit > Telefonnummer auf „Niemand" stellen. Das schützt nicht vor einem Gerichtsbeschluss, wohl aber vor Fremden in Gruppen und Kanälen.
Das eigentliche Muster
Telegram wird mit jedem Update mehr Plattform: Kanäle, Communities, jetzt Blogs. Die Verschlüsselung dagegen bleibt, wie sie war – etwas, das man für jedes einzelne Gespräch bewusst einschalten muss. Wer das nicht weiß, schreibt seine längsten und persönlichsten Texte ausgerechnet dort, wo sie am wenigsten geschützt sind.
Umgekehrt ginge es auch: ein Messenger, in dem die Verschlüsselung nicht der Sonderfall ist, sondern der Normalzustand, und in dem Nachrichten von selbst wieder verschwinden – Privatsphäre, die man nicht erst einschalten muss.